Kurz vor Weihnachten besuchte der Mäzen und Unternehmer
Bill Gates Kenia mit „Geschenken“ für den afrikanischen Kontinent. In Nairobi kündigte er an, zusätzlich zu den laufenden Programmen
7 Milliarden US-Dollar in vier Jahren in Gesundheit, Gleichstellung der Geschlechter und Landwirtschaft in Afrika investieren zu wollen.
Bill Gates investiert schon lange in eine Umstrukturierung der Landwirtschaft in Afrika. In Nairobi gründete
seine Stiftung zusammen mit der Rockefeller Stiftung 2006 die Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (Agra). Ziel war es, den Hunger in Afrika zu reduzieren.
Forderung nach Ernährungssouveränität und Agroökologie„Auch in der neuen Strategie geht es sehr stark um Investitionen in kommerzielle Saatgutsysteme, die überwiegend von großen Konzernen produziert werden, was die Saatgutsysteme der Landwirte untergräbt“, sagt Mousseau. Während Europa oder die USA die eigenen Landwirt:innen stark durch politische Maßnahmen wie Subventionen unterstützen, würde Agra afrikanischen Ländern raten, Regierungsinterventionen darauf zu konzentrieren, Düngemittel- und Saatgutunternehmen Marktzugang zu ermöglichen, findet er.
Afsa oder La Via Campesina verfolgen einen anderen Weg, um Hunger langfristig zu bekämpfen.
Sie wollen die Souveränität von Erzeuger:innen stärken, einen sicheren Zugang zu Land, Wasser und Samen. Das beinhaltet den Schutz vor Abhängigkeit von Konzernen und Investoren oder billigen Lebensmittelimporten. Außerdem wollen sie eine Landwirtschaft, die an die lokalen Ökosysteme angepasst ist. Das Stichwort ist
Agroökologie.
„
Wir müssen uns um unsere Böden für künftige Generationen kümmern“,
sagt der kenianische Bauer Ferdinand Wafula in einer Pressekonferenz von Afsa zur Agra-Strategie. Biodünger, etwa durch das Recyceln lokaler Abfälle oder Tiermist, kombiniert mit Asche und Gesteinsmehl seien zum Beispiel funktionierende organische Dünger-Alternativen. Sie belebten die Böden und führten wichtige Mikroorganismen wieder ein, die das Bindeglied zwischen Pflanzen, Insekten und der Sonne seien, sagt Wafula. „
Wir brauchen keine chemischen Düngemittel, unsere Böden sind vielfältig und wir haben das Wissen darum.“ Er fordert, dass afrikanische Regierungen und Geldgeber mehr Mittel für diese Alternativen bereitstellen sollten.
Deutschland war bislang über das BMZ und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ein wichtiger Geldgeber und Partner von Agra. Evaluierungen zur weiteren Partnerschaft laufen derzeit noch. „Unsere Zusammenarbeit mit Agra steht aktuell auf dem Prüfstand.
Messlatte für künftige Unterstützung muss sein, ob und wie Agra zur sozial-ökologischen Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme beitragen kann“, wiederholte ein Sprecher des Entwicklungsministeriums im Gespräch mit der taz Aussagen von Ministerin Svenja Schulze vom Februar.
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