„Deutschland steht kurz vor dem endgültigen Atomausstieg. In Schweden wird deutlich, welche Risiken damit verbunden sind: Bei Göteborg musste ein Meiler reanimiert werden, um den Strombedarf zu decken. Auch Deutschland muss sich auf so ein Szenario vorbereiten.
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Doch der Hauptgrund für die miesen Vattenfall-Zahlen ist ein anderer: der völlige Verfall der Großhandelspreise für Elektrizität, vor allem in Skandinavien.
Während eine Megawattstunde dort normalerweise zu dieser Jahreszeit mindestens 30 Euro kostet, notierte der Preis an der Energiebörse Nord Pool zuletzt bei weniger als einem Euro. „Ein historisch niedriges Level“, wie es im Vattenfall-Quartalsbericht heißt.
Strom ist in Skandinavien derzeit also nahezu wertlos. Die Strukturen, die zu dem Preisverfall geführt haben, sind mit denen in Deutschland vergleichbar, auch wenn sie unter den schwedischen Bedingungen deutlicher hervortreten.
So gab es im ersten Halbjahr Corona-bedingt einen starken Rückgang der Energienachfrage, während zugleich Wasserkraft- und Windkraftanlagen wetterbedingt überdurchschnittlich viel Strom produzierten. Beides zusammen setzte die Großhandelspreise unter Druck.
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Zum Teil wird in der deutschen Umweltpolitik die Auffassung vertreten, das Land könne sich aus erneuerbaren Energiequellen selbst vollständig versorgen. „Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass in Deutschland eine Stromversorgung mit 100 Prozent erneuerbaren Energien (...) technisch machbar und funktionsfähig ist und ökonomische Vorteile mit sich bringen kann“, heißt es etwa im jüngsten Gutachten des Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU). Ein Glaube, der in Klimaschutzbewegungen wie Fridays for Future oder Extinction Rebellion als Rechtfertigung radikaler Forderungen dient.
Studien von der Praxisseite her betonen demgegenüber die immensen Probleme einer erneuerbaren Vollversorgung. So kommt der südwestdeutsche Stromnetzbetreiber TransnetBW in der Analyse „Stromnetz 2050“ zu dem Schluss, dass das zweitgrößte deutsche Flächenland Baden-Württemberg zu klein für den Platzbedarf erneuerbarer Energien sei.
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Die aktuellen Trends passen allerdings nicht zu diesen Erfordernissen: So ist die nötige Vervierfachung des Windkraft-Ausbaus in Deutschland nicht absehbar. Im Gegenteil: Die Ausbauzahlen sind weiterhin niedrig.
Zudem werden ab dem kommenden Jahr schrittweise Tausende alter Windräder ihre Vergütung aus der EEG-Umlage verlieren und abgebaut werden, sodass die Windkraft-Leistung in Deutschland unter dem Strich in den nächsten Jahren sogar zurückgehen könnte. Unter solchen Unwägbarkeiten dürfte sich die Netzstabilität in Deutschland nur durch noch tiefere staatliche Eingriffe in den Energiemarkt aufrechterhalten lassen.
Dass auch in Deutschland Atomkraftwerke noch einmal zur Sicherung des Stromnetzes herangezogen werden, gilt politisch als No-Go. In anderen Ländern ist die Diskussion offener: Im Nationalen Energie- und Klimaplan Schwedens etwa wird zwar festgestellt, dass die vier ältesten Meiler des Landes 2020 außer Dienst gehen sollen. Bis 2040 soll sich die Atomstrom-Produktion in Schweden halbiert haben.
Doch vor einem staatlich verordneten Atomausstieg schreckt die schwedische Regierung weiterhin zurück. „Ohne eine neue Energiequelle als Ersatz für Atomkraft besteht ein erhöhtes Risiko für häufigere Stromausfälle in der Zukunft“, heißt es in dem Plan mahnend.
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„Nukleare Reaktoren sind nicht nur die unbesungenen Helden in der Klimadebatte, sie sind auch die unsichtbaren Stützen der Elektrizitätsversorgung, auf deren immense, wetterunabhängige Produktivität wir uns rund um die Uhr verlassen“, erklärte Agneta Rising, Generaldirektorin der World Nuclear Association.“
https://www.welt.de/wirtschaft/article211998137/Schwedisches-AKW-muss-den-Retter-in-der-Strom-Not-geben.html