Ein schönes kritisches Interview mit dem Berliner Senator für Stadtentwicklung und Wohnen, Sebastian Scheel (Die Linke), das schön verdeutlicht, wie lebensfremd solche Linken sind. Nebenwirkungen der Eingriffe und Marktgesetze werden runtergespielt, man muss nur hier und da noch an den Stellschrauben drehen.
"WELT: Es gibt weitere Mietendeckel-Kollateralschäden: Vermieter sanieren nicht mehr oder fahren sogar Instandhaltung herunter.
Scheel: Der Mietendeckel ist ein temporäres Gesetz, begrenzt auf fünf Jahre. Die geringe Zahl an Härtefallanträgen zeigt uns, dass man in Berlin offenbar auch weiterhin auskömmlich vermieten und dabei die Wohnung instand halten kann. Was Sanierung, insbesondere energetische Sanierung angeht …
WELT: … auch die geht zurück, der Klimaschutz macht Pause.
Scheel: Da wird es ein Förderprogramm geben. Wir haben die Klimaneutralität 2050 im Blick. Der Mietendeckel erlaubt einen Modernisierungszuschlag von einem Euro pro Quadratmeter. Bei aufwendigeren Modernisierungen mit neuen Fenstern, Fassaden oder Heizungen liegen die Kosten derzeit im Schnitt bei 1,80 Euro. Es fehlt also gut ein Euro, und für den wird es ein Förderprogramm geben. Im Übrigen kann ich nicht erkennen, dass der Mietendeckel negative Auswirkungen auf die Bau- und Sanierungstätigkeit hat.
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Ich möchte keine staatliche Wohnraumlenkung. Aber es ist legitim zu überlegen, ob sich Mietwohnungen dafür eignen, Kapitalmarktinteressen zu dienen, dass also mit Mieteinnahmen Anteilseigner bedient werden. Wir wissen längst, dass es damals ein Fehler war, große öffentliche Wohnungsbestände zu privatisieren. Der Wohnungsmarkt in einer Stadt wie Berlin sollte zu einem gewissen Anteil öffentlich oder genossenschaftlich organisiert sein. Zurzeit liegt der Anteil in Berlin bei rund 28 Prozent. Ich sehe Wien als Vorbild, mit rund 40 Prozent Anteil."
https://amp.welt.de/finanzen/immobilien/article216158074/Mietendeckel-und-Enteignungsideen-Jetzt-aeussert-sich-Berliner-Senator-Scheel.html