Die Frage, ob das Päpstliche Collegium Russicum im Vatikan Missionare oder Agenten ausbildet, ist so alt wie das Kolleg selbst. Gerade deswegen hofft man jetzt, dass es zu Friedensgesprächen zwischen Moskau und Kiew beiträgt.

Vom Päpstlichen Collegium Russicum in Rom wissen nur wenige Gläubige. Das Kolleg befindet sich im Herzen der Ewigen Stadt, in unmittelbarer Nähe zur Basilika Santa Maria Maggiore. Gegründet wurde es 1929 unter Papst Pius XI. und wird bis heute von den Jesuiten getragen. Ursprüngliches Ziel dieser Institution war es, Missionare auszubilden, die bereit waren, in die Sowjetunion zu reisen, um dort den katholischen Glauben am Leben zu halten. Für die Bolschewiken war es wiederum ein Ausbildungsort des Vatikans für Spione.
Vieles hat sich mittlerweile geändert. Das Russicum sei eine überalterte Institution, meint der Jesuit Germano Marani, Professor an der Päpstlichen Universität Gregoriana und Mitglied des Kollegs im Gespräch mit ntv.de. Seit 2016 ist das Collegium Russicum Teil der päpstlichen Universität Gregoriana. "Heute fokussiert sich unser Bestreben auf die ökumenische Verständigung unter den christlichen Kirchen. Die ursprüngliche Bestimmung mag überholt sein, seine Vermittlerrolle aber nicht. Und gerade wird das Kolleg als möglicher Brückenbauer zwischen dem Vatikan und dem Moskauer Patriarchat gesehen.

Um zu verstehen, warum das Kolleg eine so wichtige Rolle einnehmen könnte, muss man in die Geschichte dieser Institution zurückblicken. Als die Bolschewiken die Macht in Russland übernahmen, gehörte es zu Lenins vorrangigen Zielen, alle Glaubensgemeinschaften im Land auszurotten. Besonders verhasst waren ihm die orthodoxe und die katholische Kirche, weswegen ihre Vertreter allesamt entweder in die Gulags geschickt oder ermordet wurden.

1927 gab es in der Sowjetunion keinen freien katholischen Priester mehr. Um den katholischen Glauben im Land trotzdem zu erhalten, wurde das Kolleg Russicum gegründet. In diesem wurden die Priester nicht nur in orthodoxer und byzantinischer Liturgie, sowie in der russischen Sprache unterrichtet, sondern lernten auch die Fundamente der sowjetischen Ideologie. Die Priester wussten, dass sie sich mit ihrem Entschluss in die Sowjetunion zu begeben, auch großer Gefahr aussetzten. Nichtsdestotrotz "herrschte unter den Missionaren ein gewisser Enthusiasmus, nach Russland zu gehen, um das Evangelium zu verkünden und notfalls dafür zu sterben", erzählt der Jesuitenpater Ludwig Pichler im italienischen Dokumentarfilm "Russicum le spie del Vaticano" (Russicum, die Spione des Vatikans). Pichler ist selbst Mitglied des Russicum.

Für die Sowjets war das Kolleg ein Affront, über das man aber bestens Bescheid wusste. Und so ist es mehr als wahrscheinlich, dass sie im Laufe der Jahre dort den einen oder anderen Agenten einschleusten. Ob auch Kyrill I ., der für den KGB arbeitete, zu diesen zählte, ist nicht beleg

https://www.n-tv.de/panorama/Missionare-oder-Spione-im-Talar-article23287909.html

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