Über das Wahlverhalten am 26. September kann man nur spekulieren. Normalerweise ist die Wahlbereitschaft bei den Grünen hoch und auch die Treue der Wähler. Derzeit messen wir aber eine gewisse Verunsicherung bei denjenigen, die zuletzt die Grünen gewählt haben. Dafür gehen die Grünen in die Mitte und holen hier einige enttäuschte Unions- und SPD-Wähler ab. Aber möglicherweise verlieren sie bei eher esoterisch orientierten Wählern.
Hat es Sie überrascht, dass sich Dutzende von Schauspielern der Rhetorik der Querdenker mit einer großen Videoaktion anschließen? Ein wenig schon. Sicher, pointiert sarkastische Kritik an der Corona-Politik muss erlaubt sein. Überraschend war allerdings die geballte Vehemenz und das bemerkenswerte Maß an Organisation. Etliche der Beteiligten sind ja inzwischen abgesprungen, weil sie das Gefühl hatten, dass sie vor einen Karren gespannt worden waren.
An der Internetaktion #allesdichtmachen beteiligten sich rund 50 prominente Film- und Fernsehschauspieler.
Künstler haben sonst eher eine Affinität zu Friedens- und Klimaschutzdemos. Ob einige der Künstler den Querdenkern nahestehen, darüber will ich nicht spekulieren. Aber das Ganze zeigt, wie durchlässig heute zuweilen politische Fronten sind. Querdenker mobilisieren Personen unterschiedlichster Couleur.
Wer wird denn durch so etwas mobilisiert? Da sind junge Familien, die hohen Belastungen ausgesetzt sind und Sorge um die Zukunft ihrer Kinder haben, die vom Lockdown der Schulen betroffen sind. Da sind junge Menschen, die endlich mal wieder in einen Club, ins Kino oder ins Theater gehen wollen. Und Leute, die Theater machen, aber derzeit daran gehindert sind. Weiter finden sich da Esoteriker und Leute, die in der Corona- Politik das Werk finsterer Mächte sehen. Verschwörungstheorien werden von vielen Querdenkern geteilt.