Als
pater familias oblag es dem Hausherrn auch für die unfreien Mitglieder seiner
familia zu sorgen, die als Familienmitglieder angesehen wurden.
[4] Wenn dies im Sinne der Sklavenfürsorge geschah, wurde den
Sklaven meist eine Ausbildung ermöglicht. So wurden im eigenen Haus geborene
vernae, gekaufte
novicii und aufgenommene
expositi mit den freien Kindern des Hauses in eine Elementarschule geschickt, in der sie Lesen, Rechnen und Schreiben lernen konnten. Einige größere Hausstände besaßen sogar einen richtigen Ausbildungsapparat mit eigenen Pädagogen und Ammen, die sich um die Grundausbildung der Kinder kümmerten. Nach der Elementarausbildung erlernten die meisten Sklaven ein
Handwerk, wenn sie nicht dafür vorgesehen waren ihrem Herrn zu assistieren. Manche Sklaven hatten auch die Möglichkeit auf dem Grundbaustein der
Bildung, den der Herr gelegt hatte, aufzubauen und sich autodidaktisch weiterzubilden, sodass sie nach ihrer Freilassung eine Existenz mit Karrierepotential erwirkten.
[5] Die
Existenzsicherung in der späteren Freiheit durch eine Ausbildung war einer der Beweggründe eines Herren seine Sklaven einen Beruf erlernen zu lassen, dazu war der Verkauf der Sklaven nach beendeter Ausbildung in Anbetracht der Wertsteigerung so rentabel, dass einige Herren, wie z. B. Cato, trotz des hohen Kostenaufwands während der Ausbildung, ein Geschäftsmodell mit der Sklavenausbildung erschufen und so ihr Vermögen deutlich vermehren konnten.
[5] Ein weiteres Motiv für die Sklavenausbildung war der Fakt, dass junge Sklaven aufgrund ihres Alters noch keine schweren körperlichen Arbeiten ausführen konnten und somit mit einer Schullehre sinnvoll beschäftigt waren, bis sie später auch ihre Herren bei Handelsgeschäften vertreten konnten.
Für die Sklaven selbst bedeutete die Ausbildung meist eine bessere Behandlung, die auf ihre Wertsteigerung zurückzuführen war, und eine Unterhaltsmöglichkeit nach ihrer potenziellen Freilassung. Selbstverständlich erhielten die Sklaven durch das Lernen auch einen Wissenszuwachs und fühlten sich ihrer Berufsgruppe zugehörig, sodass sie das Berufsethos und die Arbeitsmoral der Berufsgruppe verinnerlichten und somit auch einen Anteil an der Welt der Freien genießen durften. Auch wirkte sich das Erlernen eines Berufes positiv auf das Selbstbewusstsein eines Sklaven aus, was zur Stabilisierung des Charakters führte. In der Sklavenhierarchie wurden Unfreie unter Anbetracht von
ordo (Rang) und
dignitas (Würde) geordnet.
[5] Je nach Art der Ausbildung hatte der Ausgebildete seinen Platz in jener Hierarchie und stieg in dieser nach dem Abschluss einer Ausbildung auf und hatte damit z. B. die Befehlsgewalt über in der Hierarchie niedriger Platzierte. So gab es auch den Beruf des
vicilius, in dem ein Sklave als Leiter eines Gutes sich klar äußerlich von den anderen unterscheiden und abheben sollte, weil er, sofern sein Herr nicht anwesend war, die Befehlsgewalt innehatte.
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