"Die Umma triumphierte. Vor dem byzantinischen Bau erschallten »Allahu akbar«-Rufe und nationalistische Parolen: »Das Osmanische Reich ersteht von neuem.« Das sei der (endgültige) Fall von Byzanz.
[...]
Die Rede Erdogans wurde später auf Englisch und Arabisch veröffentlicht, allerdings in leicht unterschiedlichen Fassungen. Im englischen Text ist einleitend vom »Menschheitserbe« Hagia Sophia die Rede und davon, dass die ehemalige Sophienkirche auch als Moschee für alle Besucher offenstehen wird. Ähnlich schönfärberische Zusammenfassungen werden auch auf Deutsch vom türkischen Fernsehsender TRT verbreitet.

Dagegen finden sich in der arabischen Fassung Sätze, die weniger auf Völkerverständigung abzielen, sondern auf Konfliktbereitschaft und Hegemonialdenken schließen lassen. Diese Sätze wurden offenbar vorsichtigerweise aus dem englischen Skript herausredigiert. Doch im türkischen Original sagt Erdogan selbst: »Die Wiedergeburt der Hagia Sophia [als Moschee] ist ein Vorbote für die Befreiung der Al-Aqsa-Moschee [in Jerusalem]. Wir folgen dem Willen der Muslime auf der ganzen Welt, wenn wir das Zeitalter der Unterbrechung beenden.«

Die Al-Aqsa-Moschee nimmt heute neben dem Felsendom den Jerusalemer Tempelberg ein, auf dem einst der salomonische Tempel und seine Nachfolgebauten standen. Allerdings steht die Al-Aqsa-Moschee den Muslimen schon heute als Gebetsraum zur Verfügung, während Andersgläubige sie nicht betreten dürfen. Mit ihrer »Befreiung« kann also nur die Befreiung des Tempelbergs von israelischer Oberhoheit gemeint sein."
https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/aus-aller-welt/erdogans-botschaft-an-die-umma-die-unterbrechung-des-kalifats-beenden/

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