Entgegen einer allgemein anerkannten Maxime klammern sie sich an die Fantasie, dass je mehr Macht eine Person hat, sie umso mehr Integrität an den Tag legen wird. Diese armen, verblendeten Seelen glauben im Wesentlichen, dass dort, wo persönliche Erfahrung und Vorwissen die Lücken in ihrer Weltsicht nicht ausfüllen können – wo gewissermaßen eine verriegelte Tür ist –, Mami und Papi dahinterstehen und sich Gedanken darüber machen, wie sie am besten sicherstellen können, dass es ihrem kleinen Schatz für immer gut geht, dass er glücklich und sicher ist.
Dies ist der Kern, die tröstliche Illusion an der Wurzel der Denkweise von Verschwörungsleugnern. Es ist das verfallene Fundament, auf dem sie eine turmhohe Burg der Rechtfertigung errichten, von der aus sie all diejenigen, die die Dinge anders sehen, verhöhnen und verspotten.
Das erklärt obendrein, warum der Verschwörungsleugner jede Andeutung, dass der betreuende Archetyp nicht mehr vorhanden ist – ja, dass hinter der verriegelten Tür stattdessen vielleicht Soziopathen sind, die uns alle mit äußerster Verachtung behandeln oder uns völlig missachten –, angreifen wird. Der Verschwörungsleugner wird jede derartige Andeutung so vehement angreifen, als ob sein Überleben davon abhinge – was es in der Verfasstheit seiner unbewussten und prekären Psyche in gewisser Weise auch tut. Ihr Gefühl des Wohlbefindens, der Sicherheit, des Komforts, sogar von einer Zukunft überhaupt haben solche Leute vollständig – und völlig unbewusst – in diese Fantasie investiert. Der Säugling in ihnen ist nie gereift, und weil sie sich dessen nicht bewusst sind – wirklich bewusst ist ihnen wohl nur die Besorgnis um ihre persönliche Sicherheit –, werden sie jede Bedrohung dieses unbewussten aber gleichwohl zentralen Aspekts ihres Weltbilds auf das Heftigste angreifen.
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