Weniger Patienten als im Vorjahr
Die Horrorszenarien stimmen in weiten Teilen offensichtlich nicht mit der Realität überein. Dafür sprechen auch neue Daten der IQM, die der Verband von 431 deutschen Kliniken erhoben und am 16. Februar veröffentlicht hat. Das ist ein Viertel aller Krankenhäuser in der Bundesrepublik, die 2020 rund ein Drittel aller Betten stellten.
Demnach behandelten die Einrichtungen letztes Jahr insgesamt rund sechs Millionen Menschen – fast eine Million weniger als 2019 (...)
Marktkonforme „Optimierung“
Von einer Überlastung der Krankenhäuser durch mehr Patienten im Zuge der Pandemie kann also nicht die Rede sein. Die Überlastung hat eine andere, seit Jahren bekannte Ursache: Personalmangel. Die Gesundheitsversorgung nicht nur in der Bundesrepublik wurde zuletzt immer mehr der ökonomischen Logik unterworfen. Private Klinikkonzerne streben Maximalprofite an. Doch es spielt kaum noch eine Rolle, ob die Häuser von Privatkonzernen oder Kommunen betrieben werden. Sie alle müssen „rentabel“ sein.
Viele Kliniken konnten mit der marktkonformen „Optimierung“ in der Vergangenheit nicht mithalten. So schrumpfte die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland seit der Jahrtausendwende von 2.242 auf 1.925 im Jahr 2018. Während es 2000 noch rund 560.000 Betten gab, waren es vor drei Jahren nur noch weniger als eine halbe Million.
Für die Rendite sparen die Krankenhäuser nicht nur an Investitionen in Sanierung und Modernisierung. Auch die Lohnkosten werden gedrückt, so weit es irgend geht. Dementsprechend „optimiert“ hat sich die Kliniklandschaft auch im ersten Pandemiejahr weiter. Insgesamt gingen 21 Krankenhäuser 2020 vom Netz, wie die Berliner Zeitung berichtete. Rund 30 weiteren steht das Aus bevor.
Besonders unrentable Bereichen wie Geburtsmedizin und Kinderheilkunde verschwinden immer mehr aus dem Angebot der Kliniken. So sank die Zahl der Kreißsäle in Deutschland von 1.186 im Jahr 1991 auf 672 im Jahr 2017.
Schon vor der Pandemie, Ende 2019, schlug der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, Alarm: „Die Situation der Kinderkliniken und Kinderstationen ist hoch problematisch.“ In einem Telefonat mit der Autorin Ende 2020 beschrieb Torben Brinkema von der Deutschen Interdisziplinären Gesellschaft für Intensiv- und Notfallmedizin auch die Lage der Kinder-Intensivstationen als „überaus dramatisch“.
Zur marktkonformen Optimierung gehört auch der klassische Personalabbau. Zum Beispiel plant der städtische Bremer Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) derzeit die Entlassung von 440 Pflegekräften in den kommenden drei Jahren. So will die Klinikleitung – Pandemie hin oder her – 44 Millionen Euro pro Jahr einsparen.
Maßnahmen als Notstandsbeschleuniger?
Dass die Krankenhäuser und ihre Verbände trotz Patientenschwund im ersten Pandemiejahr über einen Notstand klagten, ähnlich wie schon bei vielen Grippewellen in den Vorjahren, ist angesichts solcher Kürzungen nicht verwunderlich. Den Notstand weiter befeuert haben dürften nun die Maßnahmen „zur Eindämmung der Pandemie“. Statt mehr Reinigungskräfte und Hygiene-Experten einzustellen und besser zu bezahlen, banden Hygiene-Verordnungen die Ressourcen der Pflegenden und schlug Kontaktpersonen-Quarantäne massenhaft zu Buche.
Die eigentliche Versorgung der Patienten gerät so ins Hintertreffen. Sehr wahrscheinlich trug auch dies maßgeblich mit zur desaströsen Lage in vielen Kliniken im Coronajahr 2020 bei. An einer Überbelegung kann es jedenfalls nicht gelegen haben: Es gab keine.
https://multipolar-magazin.de/artikel/kliniken-2020👉 Abonniert unseren Newsletter
▪️▪️▪️▪️▪️▪️▪️▪️▪️🗞️Eltern für Aufklärung und Freiheit e.V.
👫❤️👬Telegram:
@EfAuF_Newsletter▪️▪️▪️▪️▪️▪️▪️▪️▪️