Dirk C. FLECK:
CORONA-PANIK IM ICE

Es ist kurz nach 9 Uhr, ich sitze im Frühstücksraum des Grey-Designhotels in Dortmund. Auf einem großen Flachbildschirm laufen die neuesten Nachrichten. Ohne Ton, aber mit bunten Rolltexten. Seit zehn Minuten verliest die Nachrichtensprecherin eine Corona-Horrormeldung nach der anderen. Demnach scheinen die Neuinfektionen und Todesfälle weltweit gerade zu explodieren. Von Mexico bis Mümmelmannsberg, von Wladiwostok bis Wuppertal. Die Hotelgäste schieben nach und nach ihre Teller beiseite, lassen den Kaffee kalt werden und setzen die Masken auf.

Nächstes Wochenende findet in Berlin eine Großdemo gegen die Corona-Beschränkungen statt, es werden Millionen Teilnehmer erwartet. Vielleicht erklärt dies das tagelange mediale Trommelfeuer. Die starke Angstdosis, die man der Bevölkerung gerade verabreicht, zeigt Wirkung. Davon konnte ich mich im ICE auf dem Weg nach Dortmund überzeugen. Ich wollte mir ein wenig Luft verschaffen und rückte die Maske von der Nase. Sofort wurde ich von einer Dame (Typ Notarsgattin, zwei Kinder) lautstark darüber belehrt, dass ich mich doch bitte an die Vorschrift halten solle, die das bedecken der Nase jedem Bürger zwingend auferlegt, „auch Ihnen!“. Als ich entgegnete, sie möge sich bitte an die eigene Nase fassen, sprang eine andere Dame auf (Typ Hausfrau, vier Kinder) und pöbelte mich an, was mir einfiele, das Leben meiner Mitmenschen derart fahrlässig aufs Spiel zu setzen. Ein junger Türke in der Reihe hinter mir drohte lauthals damit, die Polizei zu rufen.

Ich gehe die letzten Monate selten aus dem Haus, kenne mich also mit dem deutschen Corona-Alltag nicht aus. Aber die drei Stunden im ICE fühlten sich an, als hätte ich meine Hand in ein Piranhabecken getunkt.

PS: Kurz vor Dortmund habe ich dem jungen Türken geraten, schon mal das Einsatzkommando zu rufen, da ich auf dem Bahnsteig die Maske abnehmen würde.

1 comment

Inna Kroell
Meine Beobachtung ist , wenn du die Maske ablehnst macht das konsequent und bis der Polizei kommt