"Ein anderer Ausspruch lautete: «Zerschlagt die Vier Alten». Gemeint waren damit alte Denkweisen, Kulturen, Gewohnheiten und Sitten. Der Unterricht an Schulen und Universitäten wurde ausgesetzt. Vor allem Studenten begannen mit einer gnadenlosen Hetzjagd gegen jene, die sie als Konterrevolutionäre betrachteten. Personen wurden  in aller Öffentlichkeit gemobbt, gequält und ermordet.

Die aufgehetzten Massen organisierten sich in den sogenannten Roten Garden. Diese marschierten durch das Land und zerstörten alles, was mit Kultur in Verbindung gebracht werden konnte: Bücher, Gemälde oder Musikinstrumente. Wer für einen Staatsfeind gehalten wurde, fiel dem Mob zum Opfer, wurde in ein Lager gesteckt oder hingerichtet. Im Land herrschten anarchische Zustände.

Der Terror verfehlte sein Ziel nicht. Mao gelang es, den Parteiapparat zu zerstören, sich unliebsamer Gegenspieler zu entledigen und wieder an die Macht zu gelangen. Etwas über ein Jahr nach Beginn der Kulturrevolution brauchte er die Roten Garden nicht mehr. Im Oktober 1967 ordnete die Partei an, dass der Schul- und Universitätsunterricht wieder aufgenommen werden sollte. Doch die jugendlichen Rotgardisten leisteten keine Folge. Mao hatte die Kontrolle über sie verloren. Schliesslich musste die Armee zu Hilfe eilen und die Garden gewaltsam entwaffnen. Zahlreiche ereilte das Schicksal ihrer Opfer: Sie wurden von der Armee hingerichtet.

Offiziell für beendet erklärt wurde die Kulturrevolution erst mit Maos Tod im Jahr 1976. Die Zahl ihrer Opfer ging in die Millionen, wie viele es genau waren, lässt sich kaum eruieren. Eine Aufarbeitung der Ereignisse fand in China bis heute nicht statt."

https://www.nzz.ch/international/asien-und-pazifik/kulturrevolution-in-china-maos-verordnete-anarchie-ld.82460

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