In einem System des Gewissenszwanges ist die Konsequenz unabweisbar gegeben, daß es Recht und Pflicht sei, andere Menschen mit allen Gewaltmitteln zur Lüge, zur Heuchelei und zu steter Verstellung zu zwingen. – In der Unverletzbarkeit des Gewissens liegt ein auch durch die Religion verbürgtes Menschenrecht.
-- Ignaz von Döllinger (1799 - 1890), deutscher katholischer Theologe und Kirchenhistoriker, lehnte 1870 das Dogma von der päpstlichen Unfehlbarkeit ab; wurde in der Folge 1871 exkommuniziert.
Du spielst mit Menschenrechten und Gesetzen; Versteh'st Dich schlau der Strafe zu entringen; Doch, kommt die Stunde, wird Vergeltung bringen, Wenn Dich die Fur'en des Gewissens hetzen.
-- Heinrich Martin (1818 - 1872), deutscher Schriftsteller, Pseudonym für Heinrich Martin Jaenicke
Der Herrenmensch
Ich bin der Herr, du bist der Knecht! So gilt's nach freiem Herrenrecht – Und muckst du noch und willst du trutzen, So werd' ich dir den Kamm schon stutzen – Du wirst gesperrt nach meinem Recht, Denn ich bin Herr und du bist Knecht! –
Für mich des Überflusses Horn, Für dich die Peitsche und der Sporn – Für mich die Polster und die Kissen, Für dich des Lebens Bitternissen – So ist es gut, so ist es recht, Denn ich bin Herr und du bist Knecht! –
Für mich Wein, Weiber und Gesang, Für dich die Arbeit und der Zwang, Die Hörigkeit bis fort zum Grabe, Damit ich alles, alles habe. – So ist es gut, so ist es recht, Denn ich bin Herr und du bist Knecht! –
Ja, ich bin Herr und du bist Knecht! – Was faselst du von Menschenrecht, Die blöde, alberne Tirade? Du, der nur lebt von meiner Gnade, Von meinem angestammten Recht, Denn ich bin Herr und du bist Knecht! –
So war's und muß es immer sein, Darum, du Sklav', ergib dich drein – Die ganze Welt zeigt dir die Spuren Von Herren- und von Knechtsnaturen. – Ich bin zum Herren auserseh'n, Du kannst als Knecht nur fortbesteh'n. –
-- Heinrich Kämpchen (1847 - 1912), deutscher Heimat- und Arbeiterdichter, Bergarbeiter und Streikführer