Schmidt: Ich finde es durchaus verständlich. Der Ausdruck „legitim“ ist eine Kategorie, die ich hier nicht einführen würde, weil das Ganze nicht ausschließlich als Rechtsproblem betrachtet werden kann.
ZEIT: Wie gefährlich ist die jetzige Situation?
Schmidt: Sie ist gefährlich, weil der Westen sich furchtbar aufregt, was dazu führt, dass diese Aufregung des Westens natürlich für entsprechende Aufregung in der russischen öffentlichen Meinung und Politik sorgt. Hier ist ein Lob für die Vorsicht der deutschen Bundeskanzlerin angebracht.
ZEIT: Glauben Sie, dass Putin nach der Krim jetzt auch nach dem Osten der Ukraine greifen wird?
Schmidt: Das weiß ich nicht. Und ich enthalte mich der Spekulation. Ich halte es für denkbar, aber ich halte es für einen Fehler, wenn der Westen so tut, als ob das zwangsläufig der nächste Schritt sei. Das führt dazu, dass er möglicherweise auf russischer Seite den Appetit anregt.
„Ich halte diese Sanktionen für dummes Zeug“
ZEIT: Ist eine militärische Auseinandersetzung möglich?
Schmidt: Denkbar ist das, notwendig ist es auf keinen Fall. Und zwangsläufig ist es erst recht nicht.
ZEIT: Wie groß ist die Gefahr? Schmidt: Kann ich nicht abschätzen. Zurzeit ist die Gefahr gering, aber sie ist nicht gleich null.
ZEIT: Amerika und die EU haben erste, eher symbolische Sanktionen beschlossen. Halten Sie diese Sanktionen für sinnvoll?
Schmidt: Ich halte diese Sanktionen für dummes Zeug, insbesondere den Versuch, dem Spitzenpersonal der russischen Führung das Reisen zu verbieten. Wenn es eine allgemeine Konferenz gäbe, ähnlich wie 1975 in Helsinki, dann kann man doch das Spitzenpersonal nicht von der Reise ausschließen! Eines der Probleme dieser persönlichen Sanktionen ist: Wer hebt die eigentlich wieder auf? Und wann werden sie wieder aufgehoben? In Amerika gibt es verschiedene Tendenzen. Dem zögerlichen Obama sind die Risiken viel deutlicher als etwa dem Senator McCain.
ZEIT: Wann wären härtere wirtschaftliche Sanktionen geboten?
Schmidt: Auch Wirtschaftssanktionen haben vor allem eine symbolische Bedeutung, aber sie treffen den Westen genauso wie die Russen.
ZEIT: Wirtschaftliche Sanktionen hätten mehr als nur eine symbolische Bedeutung.
Schmidt: Ja, aber sie träfen den Westen ganz genauso wie die Russen.