Marc Friedrich: "Die wahre Inflation liegt zwischen 10 und 15 Prozent"

"Was wir hier sehen, ist eine tickende Zeitbombe. Der Winter wird entweder bitterkalt für die Verbraucher oder extrem teuer. Eigentlich kann man nur hoffen, dass der Klimawandel zuschlägt und wir dauerhaft 17 Grad im Winter haben.

Die Rohstoff- und Energiepreise explodieren. Der Strompreis beträgt aktuell mehr als 30 Cents pro Kilowattstunde.  Damit sind wir wieder einmal Weltmeister. Viele Haushalte haben Angst vor steigenden Energiekosten und das völlig zurecht! Im Warenkorb ist Energie & Wohnen mit 32,5 Prozent gewichtet, da kann man sich leicht ausrechnen, wohin die Inflation geht."

"Die Zeche zahlt der Verbraucher, denn die Kosten werden an der Ladenkasse von den Unternehmen weitergegeben. Aber dabei bleibt es nicht, denn die wahre Inflation liegt eher bei 10 bis 15 Prozent. Schauen Sie sich doch nur mal die Immobilienpreise an. In Stuttgart sind sie seit Jahresbeginn im Schnitt um 12,4 Prozent gestiegen, das ist doch Wahnsinn. Die erratischen Preisanstiege bei den Assetklassen wie Aktien, Rohstoffen usw. gehen ebenso weiter."

"Die Versorgungsketten sind nachhaltig gestört, das wird uns 2022 durchgehend beschäftigen. An einen temporären Effekt, wie es die EZB uns weismachen will oder einige Experten wie Marcel Fratzscher, glaube ich nicht. Ich habe in meinem Buch ein ganzes Kapitel dazu geschrieben und die Inflation prognostiziert. Das war auch kein Kunststück, denn in den letzten 800 Jahren ist immer ein Jahr nach einer Pandemie eine Inflation gekommen. Das gepaart mit der lockeren Notenbankpolitik und historisch hohen Konjunkturprogrammen auf der Fiskalseite ist die Zutatenliste für einen perfekten Sturm."

"Wir können 10 Millionen Solarpanels auf die Dächer packen und 5 Milliarden Windparks bauen. Fakt aber ist: Wenn es dunkel ist und kein Wind weht, gibt es keinen Strom und falls beides doch passiert, haben wir immer noch ein immenses Problem: Wir können diese Energie nicht speichern! Wir benötigen erst die Speicherpuffer, dann bauen wir die Energiewende sukzessive auf. Wenn Kohle wegfällt, verzichten wir auf 38 Prozent unserer Energie. Damit ist der Weg doch vorgezeichnet: Erst sitzen wir im Dunklen, dann merkt die Politik, dass es nur mit Kerzen nicht geht."

"Im Worst Case werden wir in den nächsten Jahren partiell Blackouts sehen."

"Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, kommen wir nicht um Atomkraft drumherum. Selbst das IPCC empfiehlt Atomenergie. Wir brauchen emissionslose, grundlastfähige Energieträger, um unseren Wohlstand zu sichern. Der deutsche Alleingang der Energiewende war ein gigantischer, gefährlicher Fehler – und nicht nur völlig sinnlos, sondern auch teuer."

"Wir verlieren an allen Ecken und Enden an Wettbewerbsfähigkeit, weil die Energie- und Rohstoffpreise zu hoch sind."

"Hintenherum gibt es Steuererhöhungen, eine Vermögensabgabe und ich denke auch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer. Irgendwo muss das Geld ja herkommen."

"Keine einzige Partei hat die wahren Probleme im Wahlprogramm adressiert. Unser inflationäres Geldsystem und die demografische Kurve. Das ist die nächste tickende Zeitbombe, um im Bild zu Beginn des Interviews zu bleiben. Die Baby-Boomer gehen in Rente, die Menschen werden immer älter und immer weniger junge Menschen sollen das Renten- und Sozialsystem tragen. Ein typisches Schneeballsystem."

archive.md/9Fah7

@SandraGabriel269

4 comments

Thommy Klein 😱
das ist schon ne Weile so, die richtige also wahre Inflation wird auch nicht mit einem willkürlich zusammengestelltem Warenkorb sondern mit dem Auswuchs der Geldmenge M3 (+14.5% in 2021) in Relation zu Dienstleistung und Waren (-8% in 2021) berechnet. So ist das aber schon seit beginn der Oirorettung. Ich persönlich würde noch die Medizinkosten zu Behandlung auf die Sollseite schreiben, also als Reparaturmaßnahmen als Kosten sehen statt sie zum Post Dienstleistung und Waren zu zählen, damit hätten wir dann seit gut 50 Jahren schon kein Wachstum mehr.
Der Euro hat sich in 15 Jahren also im Außenwert geviertelt! Oder anders ausgedrückt: In der gut 15-jährigen Ära der EZB kann seit Einführung des Euro im Jahr 2002 bis zum Jahr 2017 ein Wertverlust von 75% konstatiert werden.

Teilweise Negativzinsen auf Sparguthaben.
In ihrer Geschichte hat der Wert der DM um ein Vielfaches verloren, allerdings war ihr Werteverlust nicht so groß wie bei anderen Währungen. In den etwa 50 Jahren ihres Bestehens verlor die DM von 1948 bis 1999 etwa 75 % ihrer einstigen Kaufkraft.

Es gab 4-8 % Zinsen in diesem Zeitraum.
Doris Dessel
Langweilig besonders wenn Mann keins hat