Eine Nachricht von seinem Schwager aus Nigeria: "Er schrieb mir, dass ich ihn auf der Stelle anrufen soll", erinnert sich Michael. Jemand sei im Auftrag der deutschen Botschaft in seinem Büro aufgetaucht und hätte seinem Vorgesetzten vertrauliche Dokumente in die Hand gedrückt. In denen stand, dass Michael schwul ist. Michael war geoutet worden – in einem Land, in dem queere Liebe ein Verbrechen ist, in dem er für seine Sexualität gefoltert worden war. 

Michael wurde schlecht vor Panik. Er hatte seinen Schwager als Zeugen für sein Asylverfahren angegeben. Er konnte bestätigen, dass Michael in Nigeria als schwuler Mann verfolgt und gefoltert worden war. Anwält*innen vor Ort sollten die Angaben überprüfen. "Ich dachte natürlich, dass die Informationen bei den deutschen Behörden sicher sind", sagt Michael. Stattdessen hat offenbar ein Vertrauensanwalt der deutschen Botschaft in Nigeria seine Familie in große Gefahr gebracht: Seinem Schwager drohte der Jobverlust, seiner ganzen Familie Strafen dafür, seine Sexualität gedeckt zu haben. "Jetzt wohnst du schon nicht mehr bei uns, aber machst uns immer noch Probleme mit deiner Sexualität’", sagte ihm seine Mutter später am Telefon.
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Homosexualität ist in Nigeria strafbar. Wer hier offen queer lebt, kann für zehn bis 14 Jahre ins Gefängnis kommen. In zwölf von 36 Bundesstaaten gilt die Scharia, queeren Menschen droht dort die Todesstrafe. Abgesehen von der strafrechtlichen Verfolgung müssen Betroffene laut der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte mit sozialer Ächtung und dem Verlust des Arbeitsplatzes rechnen. Auch homo- oder transphobe Gewalttaten seien keine Seltenheit – bis hin zur Lynchjustiz.

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