Freiheit und Zwang der Arbeit Das Leben des modernen Menschen wird zu einem hohen Grad von dem Diktat der Arbeitswelt bestimmt. Arbeit in seinem ursprünglichen Sinn ist einerseits Existenzerhaltung, andererseits eine Form von Selbstausdruck. Man tut das, was einem von seiner Veranlagung her liegt und sorgt damit für den eigenen Broterwerb. Das Bedürfnis nach Selbstausdruck ist bereits in jedem kleinen Kind angelegt. Wenn das ganz kleine Kind spielt, oft vollkommen selbstvergessen, dann folgt es nur einem instinktiven Drang sich in Wechselwirkung mit der Materie zu bringen, auf diese gestaltgebend einzuwirken und dabei noch seine Fantasie zu entwickeln. Genau der gleiche Gedanke ist im Grunde ausgedrückt, wenn es in der Genesis heißt: „Machet euch die Erde untertan“, im Sinne von bearbeiten, nach den eigenen Ideen formen und schließlich im höchsten Sinn, durch die Beteiligung des menschlichen Bewusstseins erlösend auf die Materie einzuwirken. Dieser schöpferische Trieb ist ein kollektives Erbe unseres göttlichen Ursprungs und trägt in sich ein Element der sich „Sinnerfüllung“. Nicht nur, wenn uns etwas ganz besonders Schönes oder Nützliches gelungen ist, wofür wir womöglich Lob und Anerkennung von der Gesellschaft ernten, sondern als Prozess des schöpferischen Tätigseins als solcher. Das ist der ursprüngliche Sinn der Arbeit.Wenn wir dagegen uns den Stellenwert von Arbeit aus dem aktuellen, westlichen Zeitgeist betrachten, stellen wir fest, dass wir uns weit von diesem ursprünglichen Sinn entfernt haben. Arbeit ist heute einerseits etwas was „man machen muss“, also ein sozialer und materieller Zwang, andererseits stark mit Geldwert und mit sozialem Status verbunden. Es hat sich im Laufe der jüngeren Menschheitsentwicklung der christlich-abendländischen Kultur ein Arbeitsethos entwickelt, das zwanghaft versucht, der menschlichen Arbeit einen Wert an sich, losgelöst, wie oben beschrieben, von den ursprünglichen Sinnzusammenhängen, zu geben. Arbeit als solche solle plötzlich einen Wert haben und wer nicht auf diese Weise arbeitet, sei kein vollständig anerkanntes Mitglied der sozialen Gemeinschaft. Diesen zutiefst menschenfeindlichen Gedanken hat als einer der ersten Paulus ausgedrückt, als er schrieb: „ So jemand nicht will arbeiten, der soll auch nicht essen.“ (2. Thess, 3, 10 )Allerdings bezieht sich seine Aussage noch alleine auf den Aspekt, dass jemand der nicht arbeite der sozialen Gemeinschaft zur Last falle, während das „protestantische Arbeitsethos“, dem besonders unsere Generation unterworfen ist, erst so richtig mit Johannes Calvin und seinen folgenschweren gedanklichen Fehlschlüssen aufkam. Nach dem Münchener Soziologen Max Weber, ist dieses Calvinistische Arbeitsethos eine psychologische Folge seiner „Prädestinationslehre“. Diese besagt, dass Gott von vorne herein als er Menschen schuf, schon festgelegt habe, welche zum „Ewigen Leben“ und welche zur „Ewigen Verdammnis“ bestimmt seien. So dass die letzteren sozusagen machen konnten was sie wollten, es ihnen per Definition auch durch Bemühung nicht möglich sei den ewigen göttlichen Ratschluss umzustoßen. Wenn man nun diesen Gedanken wirklich ernsthaft in sich einlässt und weiter denkt, dann ist die logische Konsequenz, dass man sich im gleichen Augenblick auch von der Vorstellung eines liebenden Gottes verabschieden müsste, ja wir es, ganz im Gegenteil, mit einem herzlosen Monster zu tun hätten, denn wem sonst würde es einfallen Wesen zu erschaffen, sie über Äonen leben und streben zu lassen, nur um sie dann wieder irgendwann in das abgrundtiefe Leid der Ewigen Verdammnis zu schicken. Dieses eine Beispiel zeigt wiederum exemplarisch wie weit „gläubige“ Menschen, die es doch besser wissen müssten, eine Liebesbotschaft ganz in ihr Gegenteil zu verkehren, so als hätten sie selbst überhaupt keinen Zugang mehr zu ihrem eigenen Liebespotential.