Die Briefwahl hat entschieden

Von Peter Hahne

Eigentlich soll eine Wahl ja die Stimmung ALLER Wähler an dem betreffenden Tag wiedergeben, doch jetzt war es die Stimmung von vielen Wochen, in denen Entscheidendes passierte bzw ans Licht kam. Das Ganze wirft einen Schatten auf unsere Demokratie, klassischer Wahlkampf ist nicht mehr möglich.

Wo er recht hat, hat er recht. SPD-Chef Norbert Walter-Borjans gestern abend bei „BILD live“: „Das Wahlergebnis der CDU ist desaströs…. Trotz hoher Briefwahlanteile – das heißt also weit vor der Maskenaffäre – trotzdem so schlecht abgeschnitten.“ Das bringt das ganze Dilemma dieser beiden Landtagswahlen auf den Punkt. Es gab ein Davor und Danach. Es gab quasi zwei Wahlen in jedem Land. Man erinnere sich an den Wahlabend in den USA. Klarer Sieg Trumps bei Auszählung der Stimmen aus der Wahlurne – doch dann wurden die Briefe geöffnet …

Aber es lässt interessante Rückschlüsse zu. Bis zum 21. Februar wurden die Wahlunterlagen verschickt, viele beantragten sofort Briefwahl und wählten Ende Februar (!) bereits eilig per Briefwahl. Für Rheinland-Pfalz gibt es exakte Zahlen: 44 Prozent der Wahlberechtigten haben per Brief abgestimmt, das sind rund 70 Prozent (!!) derer, die dann auch tatsächlich gewählt haben. In Baden-Württemberg lag der Anteil der Briefwähler damals bei exakt 21 Prozent. Jetzt das mindestens Dreifache.

Nochmal: Die Umfragen und der 18-Uhr-Trend bezogen sich auf die aktuelle Stimmung. Warum die (vor allem bei der AfD) von den Briefwählern Lichtjahre entfernt war: Es bedarf keiner Hellseherei, keiner Verschwörungstheorie, keines Fälschungsvorwurfs etc. pp. Die einen hatten eben „davor“, die anderen „danach“ gewählt, so bestätigt es der SPD-Bundesvorsitzende ungewollt (?) eindeutig.

Die Kölner Gerichtsentscheidung gegen eine AfD-Beobachtung durch den Verfassungsschutz war genauso wenig bekannt wie die dramatischen Korruptionsfälle in der CDU  (und in der CSU, was jetzt gern unterschlagen wird).

Ganz zu schweigen von dem sich zuspitzenden Widerstand gegen den wahnhaften Lockdown als Preis einer katastrophal verfehlten Corona-Politik von CDU, CSU, SPD, Grünen und FDP im Bund und in den Ländern.

Man muss also ganz nüchtern, ruhig, ohne Schaum vorm Mund und realistisch feststellen: Die Mehrzahl der Konservativen, auch der engagierten Christen, Humanisten, Idealisten WOLLEN das so: den Corona-Lockdown-Wahnsinn, die Zerstörung von Vereinen, Sport, Kirchengemeinden, den Untergang von Mittelstand, Gastronomie, Tourismus, den Bildungsnotstand und die psychische Verwahrlosung unserer Kinder. Sie wollen das!

Man muss die AfD keineswegs mögen. Als jedoch der AfD-Fraktionsgeschäftsführer Bernd Baumann in der Elefantenrunde von ARD und ZDF diese Themen ansprach, schrie CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak aufgebracht: „Spalter, Spalter!“

Also Themen, die noch vor zehn Jahren zum Credo der Union gehörten, sind jetzt „Spalter“-Themen. Na toll! Da ist eben nichts zu machen. Denn was soll noch passieren?! „Davor“ war schon vieles bekannt, „danach“ erst recht. Reagiert haben die (Rest-)Konservativen, wie das Endergebnis es präzise aussagt. Denk ich also an Deutschland in der Nacht …

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