Endlich wiedergefunden habe ich eben meinen Artikel vom 25.02.2002. also vor 18 Jahren von mir in meinem damaligen Finanz-Newsletter geschrieben. Dort habe ich erklĂ€rt, wie ich denke, dass es nicht die Zinserhöhungen waren, die zum bislang gröĂten Börsencrash fĂŒhrten, sondern das Erlahmen des Welthandels. Mit dem totalen Stopp des AuĂenhandels im Moment durch das Corona-Virus drohen uns bei andauerndem Zustand Parallelen.
Mythen ĂŒber den Börsencrash 1929
"UnerklÀrliche" AktienkursverlÀufe?
Dieser Beitrag soll nicht andeuten, dass wir vor einer Depression stehen wĂŒrden. Wir wollen anhand der historischen Geschehnisse um 1929 in den USA WirkungszusammenhĂ€nge darstellen. Börseninteressierte finden eine ausgezeichnete Abhandlung ĂŒber die Geschehnisse dieser Zeit von Lawrence W. Reed. Die Betrachtung der geschichtlichen Ereignisse schult den Blick fĂŒr gesamtwirtschaftliche Gefahren durch die Vorgaben der Politik. Der Betrachter könnte zwar Gefahr laufen, direkte Parallelen zu ziehen, es sollen jedoch nur die zugrundeliegenden Mechanismen dargestellt werden. Zu denken ist hierbei vor allem an die schĂ€dliche Globalisierungsdiskussion und die Idiotie des Wunsches nach einer vollstĂ€ndig oder teilweise autarken Volkswirtschaft. Die geschichtlichen Ereignisse können gedankliche AufhĂ€nger liefern fĂŒr das VerstĂ€ndnis aktueller Geschehnisse. KursverlĂ€ufe an den Börsen mit exorbitanten Kursanstiegen, die wieder in sich zusammenfallen, sind nicht losgelöst von tatsĂ€chlichen Geschehnissen. Es handelt sich vielmehr, grob gesprochen, um zeitlich versetzte ZusammenhĂ€nge. Erste Vorahnungen und GerĂŒchte haben Einfluss auf die Kurse, wĂ€hrend auf die darauf folgenden und bereits antizipierten Ereignisse meist gar nicht mehr reagiert wird. Leider muss dies hier noch einmal bemerkt werden, da diese ZusammenhĂ€nge selbst in der Börsenberichterstattung noch nicht hinreichend Eingang gefunden haben und weiterhin von "unerklĂ€rlichen" oder "widersprĂŒchlichen" Kursbewegungen die Rede ist. Die Analyse der VorgĂ€nge um das Jahr 1929 zeigt, dass Kontraktionen der Kurse und Indizes nicht wirklich ĂŒberraschen können, wenn man sich die wirtschaftlichen Rahmendaten vor Augen hĂ€lt. Gerade in Zeiten groĂer NervositĂ€t an den MĂ€rkten ist es angebracht, sich vor Augen zu halten, ob sich der Patient leicht erkĂ€ltet hat oder an einer kritischen LungenentzĂŒndung leidet.
Wirtschaftspolitik mit Hilfe der Notenbank greift zu kurz
VerstĂ€rkter Geldzufluss durch die Notenbank senkt die Zinsen und erleichtert die Investitionen neuer Projekte. ZunĂ€chst werden AusrĂŒster und der InvestitionsgĂŒterbereich von der Zinsentwicklung profitieren und die KapazitĂ€ten werden immer weiter ausgelastet und neue ProduktionsstĂ€tten geschaffen. Am Ende der komplexen Entwicklung werden die Preise so weit steigen, dass sich die Notenbanken genötigt sehen, die Geldversorgung wieder zu reduzieren und der Konktraktionsprozess wird eingeleitet. Diese Politik der Notenbank ist auf den ersten Blick eine einfache Möglichkeit, die Wirtschaft zu beeinflussen. Wir halten diese Art der Wirtschaftspolitik allerdings fĂŒr nicht besonders einfallsreich. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind je nach expansiver oder kontraktiver Notenbankpolitik positiver oder negativer Art - und immer kurzfristig. Innerhalb von fĂŒnf Jahren stieg der Dow Jones von 100 auf ein Hoch von 386 im September 1929. Zwischen Januar und August 1928 wurde der amerikanische Diskontsatz von 3,5% auf 6% angehoben. Der Niedergang des Dow Jones allerdings begann im September 1929 und der Abstieg hatte ein zeitweise sehr rasantes Tempo. Doch mit den Zinsbewegungen der Federal Reserve lĂ€sst sich der Umschwung kaum erklĂ€ren.