Desinformationskampf oder Zensur?
"Nach zahlreichen weiteren Channels aus Russland hat YouTube nun auch dem staatlichen Sputnik News deutsch einen Strike versetzt - eine Vorstufe zur kompletten Löschung. Wird der Kampf gegen Desinformation zu einem Eigentor des Westens in der Auseinandersetzung um Meinungsfreiheit mit Russland?"
"Da es sich hierbei wie bei YouTube, Facebook oder Twitter um privatwirtschaftliche US-Konzerne handelt, sind vor allem die russischen Akteure von Sanktionen betroffen.
So darf man bei Twitter unter jedem Post von RT oder Sputnik "staatsnahe Medien in Russland" lesen, eine Angabe, die wegen der Finanzierung dieser Anbieter schon stimmt. Warum aber selbst staatseigene Medien aus dem Westen wie Voice of America oder Radio Free Europe keine solche Kennzeichnung genießen, erschließt sich nicht."
"Twitters offizielle Begründung ist, dass bei den gekennzeichneten Medien der Staat Einfluss auf die Inhalte nehme. Dies ist aber bei regierungseigenen Anbietern aus den USA ebenso der Fall. Etwa Radio Free Europe steht auch in westlichen Berichten im Verdacht, vom Geheimdienst CIA gesteuert zu werden. Twitter geht sogar noch weiter. Zusätzlich werden die betreffenden russischen Medien nicht mehr in Suchergebnissen angezeigt, so dass sogar eine Suche nach RT deutsch in der Trefferliste nur noch deren Kritiker einbringt. Vom Ausblenden bei der Websuche ist es nur noch ein kleiner Schritt zur Löschung des Anbieters.
Auf diesen bewegt sich aktuell der deutschsprachige YouTube-Channel von Sputnik News zu. Mit der Begründung Desinformation zu Corona wurde ihm von Google ein sogenannter "Strike" versetzt. Dieser führt unmittelbar dazu, dass eine Woche lang keine Videos mehr veröffentlicht werden können und im Wiederholungsfall der Channel mit seinem kompletten Videoangebot gelöscht wird."
"Der Strike gegen Sputnik News geschah im Zusammenhang mit einer, wie der Sender selbst angibt, umkommentierten Übertragung einer Querdenker-ähnlichen Demonstration aus Coronakritikern in London. Die Empörung der deutschen Sputnik-Redaktion ist natürlich groß, da man selbst die gezeigten Statements und Inhalte ja nicht erstellt, sondern nur dokumentiert habe."
"Dass eine fehlende Seriosität der Berichterstattung für YouTube generell noch nicht als Desinformation zählt, beweist der YouTube-Channel der Bild-Zeitung, der sich bester Gesundheit erfreut und weder mit Kennzeichnungen noch mit Sperrungen zu kämpfen hat. Was ist Desinformation, wie unterscheidet sie sich von schlechtem oder einseitigem Journalismus?"
"Auch wenn man sich vielfältig gibt, YouTube ist Privatbesitz eines US-Großkonzerns und es passiert dort, was im Interesse des Konzerns ist."
"Die aktuelle Online-Meinungswelt hat ein Problem: Private US-Großkonzerne haben die Meinungsbildung in der Hand. Diskussionen mit Reichweite finden nicht mehr auf der Straße oder in öffentlichen Räumen, sondern in Netzen im Privatbesitz statt, aus denen der Hausherr alle entfernen kann, deren Meinung nicht zu den Konzernzielen passt."
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