Bertold Brecht und die Coronapandemie im Jahr 2020

Die nachfolgenden Worte Bertold Brechts könnten heute geschrieben worden sein:

„Der Fortschritt war gewaltig. Das Elend schritt fort und der Reichtum schritt fort. Der Luxus wurde größer, ebenso die Entbehrung. Die Bildung verbreitete sich und die Verkommenheit nahm zu. Die Zivilisation breitete sich aus mit dem Imperium wie eine Seuche sich ausbreitet.“

Genau das passiert gerade. Was sich abspielt, wenn der Ausnahmezustand herrscht – und das weltweit – erleben wir in diesen Wochen.

Die Pandemie existiert zweifelsfrei. Und es existiert Hysterie. Es gibt sehr unterschiedliche Meinungen darüber, ob das faktische Herunterfahren beinahe jeglichen gesellschaftlichen Lebens übertrieben oder notwendig ist. Darüber wollen wir nicht spekulieren. Spekulationen heute würden es uns morgen erschweren, ernst genommen zu werden, wenn der Gesamtprozess bewertet werden muss, der gerade abläuft, wie ein Horrorfilm.

Dass die aktuelle Coronavirus-Pandemie eine völlig andere Behandlung erfährt als jede andere Pandemie der letzten hundert Jahre, und ob das angemessen ist, sollten wir also nicht zum Gegenstand unserer Beurteilung machen. Was wir allerdings beurteilen können und müssen, das ist die Fähigkeit der bürgerlichen Gesellschaft, ein solch schlimmes Geschehen im Interesse des Kapitals zu instrumentalisieren und die bürgerliche Demokratie in Windeseile außer Kraft zu setzen.

„Zu sagen, was ist, bleibt die revolutionärste Tat.“ Rosa Luxemburg

Momentan darüber zu sprechen, erfordert Fingerspitzengefühl, damit wir uns nicht lächerlich machen und das Gegenteil von dem erreichen, worum es uns geht; Aufzuklären. Wenn aber diese Periode im Wesentlichen abgeschlossen ist, ja schon auf dem Weg dahin, gilt es, genauestens zu analysieren, was wir da gerade erlebt haben und was uns in ganz anderem Zusammenhang bevorstehen könnte.

Was wir gerade erleben, ist der Ernstfall und zugleich eine Übung bisher ungeahnten Ausmaßes. Geübt wird der Ausnahmezustand. Durchgeführt wird eine so genannte Marktbereinigung, die es so noch nicht gegeben hat. Ob es danach noch eine nennenswerte Mittelschicht geben wird, ist fraglich. Das ist nur eine der unabsehbaren Folgen, die sich vor unseren Augen entwickeln. Die Ärmsten, auch in den Hauptländern des Kapitals, werden noch ärmer sein; gar nicht zu reden davon, dass die humanitäre Hilfe für mehr als 100 Millionen Menschen, die sich auf die entsprechenden UN-Organisationen verlassen müssen, existentiell gefährdet ist. 45 Millionen Menschen sind derzeit allein im südlichen Afrika von Hunger bedroht. Schuld an all dem soll nicht der Kapitalismus sein, sondern ein Virus. ES sei Krieg, so Macron. Es ist der Krieg derer oben gegen die unten.

„Terror ist der Krieg der Armen gegen die Reichen.“ Peter Ustinov

Hendrik Leber, der Chef der Kapitalverwertungsgesellschaft Acatis Investment, erklärte im März im Focus: „Ich habe meinem Team gesagt: Lasst uns auf die Jagd gehen. Denn uns kommen reihenweise tolle Gelegenheiten entgegen.“ Ein Marxist würde in diesem Kontext sagen: In der Krise nimmt die Kapitalkonzentration zu. Und ein Marxist weiß: Die Folgen dieses ungeheuren Crashs werden auf die Lohnabhängigen abgewälzt und auf diejenigen, die nicht einmal mehr ihre Arbeitskraft verkaufen können.

Das, was wir gerade durchleben, was die Menschheit durchlebt, wird ungezählte Menschen sensibilisieren. Darauf müssen wir uns vorbereiten...


Bundessprecherrat der Kommunistischen Plattform, 20. März 2020

… könnte auch von mir sein. Ich habe aber nur zwei Zeilen (fett) eingefügt.

Dirk Schrader

Anmerkung: Kooperatismus ist das eigentliche Übel dieser Welt.
Wir haben heute einen Kooperatismus. Das bedeutet, die großen Firmen haben eine Komplizenschaft mit dem Staat am Laufen um sich Vorteile gegenüber kleinen Konkurrenten zu verschaffen.
Der Staat stranguliert kleine Unternehmen während er den großen sogar Geld schenkt z.B. in Form von Subventionen, Steuerfreieheit o.ä.
Lobbyismus, staatliche Rettungspakete und Bestechung von Politikern tun ihr übriges.

1 comment

Vielen Dank Herr Dr. Schrader! - auch wen das meiste "nur" zitiert ist so sprechen sie mir mit diesem Post so sehr aus dem Herzen. Ich hoffe es geht auch vielen anderen so.