Spitzenautor Harald Martenstein verlässt nach 33 Jahren den Tagesspiegel, weil der seine untere Kolumne gelöscht hat!

Anfang Januar 2012 demonstrierten in Jerusalem ultraorthodoxe Juden gegen die Regierung, viele trugen dabei den „Judenstern“ aus der NS-Zeit. Ihrer Ansicht nach verhielt sich der Staat Israel ihnen gegenüber so ähnlich wie die Nazis. Auch beim „Marsch gegen Islamophobie“, 2019 in Paris, waren Judensterne zu sehen, nur mit fünf Zacken statt sechs.

Laut Godwins Gesetz, benannt nach einem US-Autor, taucht in jeder öffentlichen Diskussion von emotionaler Bedeutung irgendwann ein Nazi-Vergleich auf. Godwins Gesetz kommt der Wahrheit ziemlich nah. Dass Donald Trump, Wladimir Putin, Sebastian Kurz oder die AfD heute mit Hitler oder der NSDAP verglichen oder gar gleichgesetzt werden, versteht sich von selbst, obwohl sich dabei Historikern die Fußnägel hochrollen und man so etwas durchaus „Verharmlosung des Holocaust“ nennen könnte. Origineller war die britische Zeitschrift „New Statesman“, als sie Angela Merkel „die gefährlichste deutsche Führungspersönlichkeit seit Adolf Hitler“ nannte, originell sind auch Vergleiche der NSDAP mit der CSU (etwa durch den SPD-Politiker Florian von Brunn). Den Vogel abgeschossen hat wohl Dieter Dehm, Linkspartei, als er die Bundespräsidentenwahl 2010 so kommentierte: „Was würden Sie machen, wenn Sie die Wahl hätten zwischen Hitler und Stalin?“ Zur Wahl standen Joachim Gauck und Christian Wulff.

Wer den Hitlervergleich bemüht, der natürlich nie stimmt, möchte sein Gegenüber als das absolut Böse darstellen, als Nichtmenschen. Der Vergleich will Hitler gerade nicht verharmlosen, er macht ihn zu einer Art Atombombe, die einen politischen Gegner moralisch vernichten soll. Der Judenstern dagegen soll seine modernen Träger zum absolut Guten machen, zum totalen Opfer. Er ist immer eine Anmaßung, auch eine Verharmlosung, er ist für die Überlebenden schwer auszuhalten. Aber eines ist er sicher nicht: antisemitisch. Die Träger identifizieren sich ja mit den verfolgten Juden. Jetzt, werden auf Corona-Demos häufig Judensterne mit der Aufschrift „ungeimpft“ getragen. Von denen, die das „antisemitisch“ nennen, würden wahrscheinlich viele, ohne mit der Wimper zu zucken, Trump mit Hitler und die AfD mit den Nazis vergleichen. Der Widerspruch in ihrem Verhalten fällt ihnen nicht auf.

Ein Supermarktleiter hat vor ein paar Jahren seine Sekretärin, die ihm wohl zu dominant auftrat, mit den Worten „Jawohl, mein Führer!“ gegrüßt. Sie klagte, wegen Hitlervergleichs, er wurde fristlos entlassen. In zweiter Instanz wandelte ein weises Gericht die Kündigung in eine Abmahnung um. Die einzige Kirche, der ich angehören möchte, ist die, die man im Dorf lässt. Dieses Zitat stammt von dem „konkret“-Chefredakteur Hermann L. Gremliza, einem meiner Jugendidole.

5 comments

LaurenZ
Ein linker der zugibt das Stalin böse war???. Das habe ich mit meinen 21 jahren noch nie gehört.
Der ständige Nazivergleich scheint auch in unserer „bubble“ mittlerweile usus zu sein. Martenstein bringt es in seiner Kolumne auf den Punkt.👍
Heee Hgkkk
Da kann ma bei allem nur noch mit dem Kopf schütteln. Wen interessiert denn eigentlich der sogenannte Holocaust… Jeder der dort vergleiche bemüht, ist Gift für unser Land. Abschließen, Gedenkstätten entfernen und fertig. Es tun ja alle immer so, als wären nur Juden im 2. Weltkrieg gestorben… Jaja, die ewige Schuld. Es nervt sowas von ab…
Heee Hgkkk
Hmm, wenn es 11 Millionen wären, würde es ja bedeuten, dass danach nur noch 2 Millionen übrig waren. Naja, die Menschen werden es glauben, weil sie einfach alles glauben. Wir werden die Welt nicht mehr ändern und den Untergang der Deutschen nicht verhindern. Man kann sich seine eigene Wagenburg bauen und gut ist. Die Anhänger der Weltreligionen Holocaust sind nicht mehr zu retten.
Soviel Differenzierung wäre ein Grund gewesen, den Tagesspiegel zu abonnieren!