Ein super spannendes Interview mit dem ehemaligen Chef des linksliberalen Politmagazins „Panorama“ sowie ehemaliger stellvertretender Chefredakteur des ARD-Hauptstadtbüros Joachim Wagner.
"Prägend war jedoch ein anderer Eindruck: das repressive Meinungsklima in unserem Land. Beim Thema Zuwanderung hat unsere Gesellschaft ihre Dialog- und Streitfähigkeit in weiten Teilen verloren. Die Bereitschaft, andere Meinungen überhaupt zu hören, erodiert. Nach einer Allensbach-Umfrage haben ja 71 Prozent der Menschen den Eindruck, man kann sich nur mit Vorsicht zur Flüchtlingsthematik äußern. Das hat zwei Ursachen: Es gibt eine moralisierende Selbstgerechtigkeit auf der links-grünen Seite, aber auch im kirchlichen Milieu – diese dominiert die Debatte in der medialen Öffentlichkeit. Und es gibt die Hetze auf dem rechten Rand. In der Mitte regiert die Sprachlosigkeit, aus Angst in die rechte Ecke gestellt zu werden.
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Wenn man über eines der zentralen Zukunftsprobleme – und dazu gehört die Migration angesichts von Millionen Menschen auf der Flucht – nicht offen und ehrlich reden kann, ist das brandgefährlich. Die Bundesregierung redet das Problem klein, wenn sie darauf verweist, dass in den letzten Jahren unter 200.000 Menschen jährlich zu uns kommen sind. Das ist die Einwohnerzahl einer mittleren Stadt wie Kassel, die jedes Jahr eingewandert sind. Und diese Menschen müssen die gesellschaftlichen Institutionen zusätzlich auffangen.
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Es sind Veranstaltungen von mir wegen angeblicher AfD-Nähe abgesagt worden, eine sogar von der Patriotischen Gesellschaft in Hamburg, die andere von einer Zweigstelle der Landeszentrale für politische Bildung in Rheinland-Pfalz. Da hat dann der Chef eingegriffen – denn die Bundeszentrale für politische Bildung hat mein Buch ja selbst in Lizenz nachgedruckt. Genau diese Veranstaltung war dann später besonders gelungen, weil die Teilnehmer alles Praktiker der Integrationsarbeit waren: Lehrer, Erzieher, Lokalpolitiker. Vor einigen Veranstaltungen bin ich einem Gesinnungstest unterzogen worden – da wurde im Vorgespräch erst einmal abgeklopft, was für eine Person ich bin.
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Aber ich bin mir auch sicher, dass ich die Dinge so darstelle, dass sie eben nicht in die AfD-Nähe gerückt werden können. Ich versuche ja, eine nüchterne Analyse zu bringen – auf der Basis von empirischen Untersuchungen. Empirie ist nicht rassistisch."
https://www.abendblatt.de/politik/article228074743/migration-ard-journalist-joachim-wagner.html
Die wirklichen Flüchtlinge werden nicht mit dem Charterflieger eingeflogen, die haben selten den passenden Flugplatz in der Nachbarschaft.