Dazu noch ein Kommentar von Martin Motl: "Empirisch stellt sich das übrigens folgendermaßen dar. Vielleicht auch interessant für dich Vince. Den Anteil der Löhne am gesamten Volkseinkommen bezeichnet man als Lohnquote. Sie ist ein zentraler Indikator dafür, wie neu erworbener Wohlstand in einer Gesellschaft verteilt wird. In den meisten entwickelten Ländern ist die Lohnquote relativ konstant. In Deutschland liegt sie schon ewig zwischen 60 und 70 %, aktuell mit gut 68 % am oberen Ende dieser Range. Während also 68 % aller in Deutschland erzielten Einkommen an die Bezieher von Löhnen und Gehältern fließen, entfallen nur 22 % auf Unternehmensgewinne und die restlichen 10 % auf Kapitaleinkommen, Mieteinkommen und Einkommen von Selbstständigen. Seit dem Jahr 2011 ist die Lohnquote von 66,1 auf nun 68,6 % (Stand 2018) stetig gestiegen, was das Vorurteil widerlegt, dass nur diejenigen reicher werden, die ohnehin schon vermögend sind. Analog zum Anstieg der Lohnquote ist die sogenannte Profitquote – also der Anteil der Unternehmensgewinne am Volkseinkommen – von damals 25 auf ca. 22 % gesunken. Anhand des Verhältnisses von Lohnquote zu Profitquote wird deutlich, dass das Narrativ von den Milliarden scheffelnden Unternehmen, wegen denen zu wenig für die Bevölkerung übrig bleibt, reine Klassenkampf-Fiktion ist. In Wahrheit sacken Arbeitnehmer und Angestellte in Deutschland bereits 3 Mal so viel ein wie alle Unternehmen zusammen. Andersrum könnte man Löhne und Gehälter noch nicht mal um 35 % steigern, selbst wenn man sämtliche Unternehmensgewinne konfiszieren und umverteilen würde, denn dann würden ausnahmslos alle Unternehmen pleite gehen. Das war die Veränderung der Bruttolöhne und -gehälter in Deutschland gegenüber dem Vorjahr in diesem Jahrzehnt: 2010: + 2,9 % 2011: + 4,7 % 2012: + 4,1 % 2013: + 3,0 % 2014: + 3,9 % 2015: + 4,0 % 2016: + 4,0 % 2017: + 4,2 % Die Lohnzahlungen sind das ganze Jahrzehnt schneller als die Produktivität und auch schneller als die Unternehmensgewinne gestiegen. Übrigens verdienen die Angestellten von großen Konzernen (also gemäß linker Diktion sehr mächtigen Unternehmen) viel mehr als die Angestellten von Kleinunternehmen. Wie passt das zu der Idee, die Höhe von Gehältern sei eine Frage von Machtgefällen?"